Blutegel -Therapie Drucken E-Mail

Die Blutegelbehandlung ist sehr alt und hat in fast allen Volksheilweisen eine bedeutende Rolle gespielt. Im 19. Jahrhundert ist allerdings die Anwendung aufgrund von mangelndem Wissen stark übertrieben worden, so dass es zu einer 100 Jahre andauernden Zwangspause kam.

In den 80er Jahren hat die rekonstruktive Chirurgie die sensiblen Blutsauger wiederentdeckt. Die moderne Biochemie hat so viele Wirksubstanzen und deren Wirkmechanismen im Blutegelspeichel aufgeklärt, dass die Heilwirkung der Blutegel lange kein Aberglaube mehr ist, sondern medizinisch erwiesen.

 

Einsatzgebiete

  • venöse Störungen
  • Gelenkbeschwerden bei rheumatischen Erkrankungen,
  • Arthrose
  • akute bis chronische Entzündungen
  • Verletzungen mit größeren Blutergüssen
  • in der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie
  • Rheuma
  • Gürtelrose
  • Varikosis Tinnitus
  • Thrombosen
  • Furunkel und Karbunkel
  • Nebenhöhlenentzündungen
  • Mandelabszeß
  • Adnexitis, Parametritis
  • Brustdrüsenentzündung
  • Gallenblasenentzündung
  • Hodenentzündung
  • Phlebitis
  • Hypertonie
  • Hyperthyreose
  • Apoplexie
  • Angina pectoris
  • Thrombophlebitis

 

Die Wirkung der Blutegel:

Experten vergleichen die Bedeutung des Hirudins et al. (Wirkstoffe aus dem Blutegelspeichel) mit der des Penicillins, natürlich bei einem völlig anderen Wirkungsspektrum.

Der Blutegelspeichel enthält folgende bisher identifizierte Substanzen:

  • HIRUDIN sorgt für die Hemmung der Blutgerinnung. Bei dem ca. 30 minütigen Saugakt ist es natürlichnotwendig, die Wunde offen und das Blut fließfähig zu halten.
  • CALIN hemmt ebenfalls die Blutgerinnung. Calin bewirkt nun im Anschluß an das "schnelle" Hirudin die ca. 12h dauernde Reinigung der Wunde durch Nachbluten. Es kommt zu dem bekannten, sanften Aderlaß
  • Währenddessen tritt der "Ausbreitungsfaktor", die
    HYALURONIDASE, in Aktion: der Weg für die wirksamen Substanzen wird vorbereitet. Eine wahrscheinlich histaminähnliche Substanz wirkt gefäßerweiternd: das Blut strömt zu der "gebissenen" Stelle.
  • EGLINE, BDELLIN, APYRASE, KOLLAGENASE wirken mit unterschiedlichen Mechanismen bei der Gerinnungshemmung mit: Darüber hinaus haben einige dieser Substanzen entzündungshemmende und weitergehende Eigenschaften.
  • Es gibt noch DESTABILASE, PIYAVIT und andere Substanzen, die die natürliche Wirkstoffkomposition abrunden.
 

Was tun Blutegel mit uns

Blutegel auf dem Bein eines Patienten

Zunächst einmal: der Biss eines Blutegels ist nicht schmerzhaft, denn Egel haben in der freien Natur kein Interesse daran, überhaupt bemerkt zu werden. Ob zur Schmerzlinderung ein Anästhetikum im Speichel enthalten ist, ist umstritten.

Die Bisse werden wie "Brennnesselstiche", "Mückenstiche", "ein leichtes Ziehen" oder "Einstiche von Injektionsnadeln" oder sogar als völlig schmerzfrei beschrieben. Ein im folgenden Verlauf mögliches, leichtes Jucken - ähnlich wie bei einem Mückenstich - geht auf histaminähnliche Substanzen zurück.

Der Biss ist auch durch die Biss-"Technik" wenig schmerzhaft: 3 sternförmig angeordnete Sägeleisten mit jeweils ca. 80 Kalkzähnchen raspeln sich vorsichtig durch die Haut, um zum Ziel der Wünsche - dem Blut - zu gelangen. Zwischen den Kalkzähnchen sind Öffnungen, durch die der Blutegelspeichel abgegeben wird.